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Zwei Kasperlestücke

Liebe Kinder und Eltern,
wir haben zwei Stücke für euch, die den Einstieg und die Vielfalt des Kasperletheaters zeigen sollen. Bei dem Stück „Kasperle und die Prinzessin in China“ handelt es sich um Unterhaltung, die gleichzeitig etwas zur Aufgeschlossenheit gegenüber (zunächst) Befremdlichem beiträgt. Das zweite Stück „Sage besser immer nein!“ kann als Einstieg dienen in ein sehr wichtiges und schwieriges Thema: nie mit Fremden mitzugehen.

Die Bühnenanweisungen sind kursiv geschrieben.

Kasperle und die Prinzessin in China

Kurzfassung des Inhalts:
Kasperle und die Prinzessin fliegen in einem Heißluftballon durch die Lüfte und landen beim Kaiser von China, der sie zu einem Essen einlädt und ihnen währenddessen erzählt, warum in China mit Stäbchen gegessen wird.

Figuren: Kasperle, Prinzessin, König (evtl. etwas chinesisch aussehend – Kleidung), Polizist oder Räuber als Koch verkleidet

Bühnenbilder:
1. China allgemein (z.B. chinesische Mauer, Chinakarte)
2. China von innen (z.B. ein Palast, ein Zimmer)

Requisiten: Heißluftballon, Stäbchen, evtl. Kleidung für Kaiser, Kochmütze & weißer Umhang für die Kochfigur, kleine Puppenhaus-/Kinderschälchen oder -teller

1. Akt/1. Bühnenbild: China allgemein

Die Prinzessin und Kasperle sind gerade mit ihrem bunten Heißluftballon, an dem ein Schuh als Korb hängt, in der einen Hälfte der „Bühne“ gelandet. Kasperle begrüßt die Kinder:

KasperleTri-tra-trulla-la, Kasperle ist wieder da!
Hallo liebe Kinder! Habt ihr schon gesehen, mit welchem tollen Gefährt die Prinzessin und ich heute unterwegs sind? Wie? Genau: ein Heißluftballon mit einem Riesenschuh zum bequemen Fliegen! Aber wir sind gerade einmal wieder gelandet, weil uns der Magen knurrt – Könnt ihr es hören? Nur, wo sind wir denn hier gelandet? Das sieht hier ganz anders aus, als bei uns zuhause! Hast du eine Idee Prinzessin?

PrinzessinKasperle, ich glaube, wir sind in China gelandet: wir sind nämlich über ganz hohe Berge und viele Reisfelder geflogen und über die längste Mauer der Welt – zumindest habe ich noch nie eine so lange Mauer gesehen. Und schau mal, da kommt ja auch ein Bewohner. Der sieht aber sehr schick aus. Findet ihr nicht auch, Kinder?

Der Kaiser (König) kommt auf die Bühne und verneigt sich ein paar Mal vor den beiden und vor den Kindern.

KasperleOh, Prinzessin, ich glaube, das ist der Kaiser von China.

PrinzessinAber das kann doch nicht sein. Der läuft doch hier nicht einfach spazieren, oder?

Kaiser/KönigDoch, ich bin der Kaiser von China und ich laufe gern hier spazieren. Ich habe gesehen, wie ihr angeflogen seid und da habe ich mir gedacht, Besuch, der in einem so schönen Gefährt ankommt, der ist nett und den würde ich gern zum Essen einladen. Ihr habt doch ein bisschen Hunger mitgebracht, oder?

Prinzessin und KasperJaa. Wir haben schon lange nichts mehr gegessen!

KaiserNa, das ist recht! Dann kommt nur mit. Mein Koch hat bestimmt schon etwas leckeres zubereitet, denn bei uns ist jetzt gerade Mittagszeit! Kommt nur mit

Die drei Akteure verschwinden von der Bühne, der Vorhang fällt und das Bühnenbild wechselt.

2. Akt/2. Bühnenbild: China von innen

Die drei tauchen wieder alle zusammen auf.

KaiserSetzt euch doch meine lieben Gäste. Wie heißt ihr denn eigentlich? Ich habe noch gar nicht gefragt. Und wo kommt ihr eigentlich her?

KasperDas ist die Prinzessin Himmelblau und ich bin der Kasper und wir kommen aus München (Wohnsitz oder Ort des Kindergartens). Das liegt in Deutschland und gaaaaaanz weit weg von hier: 10 Trillionstel Flugstunden mit unserem kunterbunten Schuh-Heißluftballon.

KaiserSoso. Von so weit her kommt ihr beiden also! Na da müsst ihr wirklich Hunger haben! Ich werde gleich einmal den Koch rufen, damit er uns mitteilt, was es heute zu essen gibt. Ich hoffe, ihr könnt mit Stäbchen essen.

PrinzessinMit Stäbchen essen? Gibt es hier denn kein Besteck?

In diesem Moment kommt der Koch auf die Bühne und erzählt dem Kaiser auf chinesisch (lassen Sie sich etwas chinesisch klingendes einfallen), was es zu essen gibt. Er verneigt sich vor den Gästen und verlässt die Bühne wieder.

KasperDas ist ja eine witzige Sprache, die kann ich überhaupt nicht verstehen! Was gibt es denn, kaiserliche Hoheit - wenn ich fragen darf?

KaiserNatürlich darfst du fragen, Kasper: es gibt Gemüse aus dem Wok mit Erdnussbutter- und Kokosnuss-Sauce und dazu natürlich unseren himmlisch duftenden Reis.

PrinzessinHmmm, lecker. Und das kann ich auch wirklich mit Stäbchen essen? Da fällt doch immer alles herunter! Könnte ich vielleicht nicht doch ein Besteck haben?

Kasper(beschwichtigend) Nein, Prinzessin, das kriegen wir schon hin. In China gibt es Messer nur in der Küche, weil sie als Werkzeug angesehen werden und Werkzeuge nichts auf dem Tisch verloren haben.

KaiserGanz genau. Denn am Tisch darf man faul sein und braucht nur noch zu essen. Deshalb wird unser Essen schon in der Küche mundgerecht zubereitet und mit Stäbchen gegessen.

PrinzessinAber warum nehmt ihr kein Besteck?

KaiserHahaha. Entschuldige, dass ich lache, Prinzessin, aber wir essen schon seit 3000-4000 Jahren mit Stäbchen! Da haben alle anderen Menschen auf der Welt - auch die vornehmen Fürsten und Könige noch einfach mit den Händen gegessen. Euer Besteck, also v.a. die Gabel kam erst etwa vor 300-400 Jahren auf, gilt aber auch als ein Werkzeug und mit Werkzeug soll das gute Essen nicht in den Mund geschaufelt werden.

KasperJaja, die Chinesen sind ein schlaues Volk.

Da bringt der Koch das Essen

KaiserSo und nun ran an die Stäbchen,
ich zeig dir wie´s geht kleines Prinzessinnenmädchen.
Dann kannst du´s lassen dir schmecken,
ohne dass Kasper Grund hat, dich zu necken!
Guten Appettit!

Kasper und Prinzessin(verneigen sich) Tschüß, liebe Kinder und probiert doch auch einmal, mit Stäbchen zu essen!

KaiserZai Jian! (d.h. Auf wiedersehen)

Sage besser immer nein!

Kurzfassung des Inhalts:
Kasperle und die Prinzessin spielen vergnügt auf der königlichen Wiese Verstecken. Da kommt der verkleidete Räuber und lockt die Prinzessin mit sich, indem er ihr vorschwärmt, dass er so niedliche kleine Hunde hätte und sie sich unbedingt einen aussuchen müsse. Kasperle „findet“ die Prinzessin warnt sie, aber sie geht mit dem verkleideten Räuber mit und muss feststellen, dass dieser gar keine Hunde hat. Kasperle ist den beiden aber heimlich gefolgt und holt solange der Räuber weg ist den Polizisten, mit dem er die Prinzessin befreit, die überglücklich vom Kasperle in den Arm genommen wird. Wenn der Vorhang gefallen ist, ist den Kindern DRINGEND die Gelegenheit zum Nachfragen, diskutieren und Hilfestellungen (z.B. Trost) zu geben.

Figuren: Kasperle, Prinzessin, Räuber (am Anfang etwas „verkleiden“, damit er zunächst nicht so böse aussieht, z.B. ein heller Mantel, der den langen Bart versteckt und/oder eine andere Kopfbedeckung), Polizist

Bühnenbilder:
- eine Wiese und
- die Wohnung des Räubers (empfohlene Aufteilung in drei „Teile“):

  • Vor der Wohnung | Straße mit Telefonzelle | Räuber geht & Kasper kommt
  • Im Flur | Dunkel, rumpelig | Räuber / Polizist / Kasper
  • In einer kleinen Kammer | Sehr dunkel, kein Fenster | Prinzessin
die Aufteilung kann mit einfachen Papierstreifen für die Wände geschehen, oder aufwendig gemalt/gebastelt werden

1. Akt/1. Bühnenbild: eine Wiese/Gassen

Die Prinzessin versteckt sich in einer Ecke des Kasperletheaters hinter dem Vorhang und Kasperle taucht von der anderen Seite auf und begrüßt die Kinder:

KasperleTri-tra-trulla-la, Kasperle ist wieder da!
Hallo liebe Kinder! Heute spiele ich mal wieder mit der Prinzessin Verstecken! Könnt ihr sie sehen, ich finde sie nicht – ruft doch bitte mal mit mir: Prinzeeeeeeessin! Priiinzeeessiiiiiin! Wo kann sie denn nur sein?

Kasperle läuft rufend hin und her und verschwindet irgendwann, während die Prinzessin die ganze Zeit über in ihrem Versteck bleibt. Während des folgenden Mono- und Dialogs hört man den Kasper ab und zu dumpf aus der Ferne „Prinzessin“ rufen.

PrinzessinHihihi… der Kasper, der findet mich nie! Hallo liebe Kinder! Verratet mich bloß nicht! Aber wer kommt denn da so falsch singend daher? Das ist aber nicht der Kasper!

RäuberLalala, ein Schneider fing ´ne Maus, ein Schneider fing ´ne … . Ja wen haben wir denn da? (spricht zu sich) Das ist doch die kleine Prinzessin! Na, da wollen wir doch mal sehen, ob ich die nicht zu mir nach Hause locken kann. (spricht die Prinzessin an) Na, kleine Prinzessin wie geht es dir denn? Wieso versteckst du dich denn hinter dem Gebüsch?

PrinzessinPsst! Der Kasper und ich, wir spielen Verstecken, sei also bitte etwas leiser.

Räuber(etwas leiser) Das ist aber schade, dass du gerade so beschäftigt bist. Ich habe nämlich ein paar ganz süße kleine Hundebabys bei mir zuhause und ich wollte dich fragen, ob du nicht eines haben möchtest. Willst du nicht mit mir kommen und sie dir einmal ansehen? Komm nur schnell mit.

PrinzessinJa, aber der Kasper sucht mich doch und außerdem kenn ich dich ja gar nicht. Und mit einem Fremden darf ich nicht mitgehen, haben mir mein Papa und meine Mama gesagt.

RäuberAber du kommst doch gleich wieder, es ist ja nicht weit weg. Du bist ja gleich wieder zurück. Und mitbringen tust du außerdem noch etwas: einen kleinen süßen Hund. (zu sich) Die wird sich doch jetzt nicht anstellen und nicht mitgehen wollen…

PrinzessinNa gut, aber du versprichst mir, dass ich den Hund bekomme, der mir gefällt?!

Räuber(überschwenglich erfreut) Aber sicher! Komm´ nur mit!

Da kommt der Kasper von der anderen Seite und sieht gerade noch die Prinzessin mit dem Räuber mitgehen. Er ruft:

KasperleHalt Prinzessin, wo gehst du denn hin? Wir wollen doch gemeinsam spielen. Und außerdem sollst du nicht mit Fremden mitgehen das ist doch gefährlich! Bleib da!

PrinzessinAber Kasperle, der Mann hat ganz süße Hundebabys, von denen ich mir einen aussuchen darf. Komm doch mit und hilf mir beim Aussuchen.

KasperleNein, ich komme nicht mit. Ich kenne den Mann ja gar nicht. Und du kennst ihn doch auch nicht! Also bleib bitte da! Gell, Kinder, die Prinzessin soll da bleiben!

PrinzessinKasperle, du machst dir wirklich viel zu viele Sorgen. Ich komme gleich wieder und bringe einen süßen kleinen Hund mit. Und mit dem darfst du dann nicht spielen! Tschüß!

Und dann verschwindet die Prinzessin mit dem Räuber vom Bühnenbild.

KasperleAch, Kinder, was soll ich denn nur machen? Jetzt ist die Prinzessin einfach mit dem Mann weggegangen. Was soll ich denn bloß tun? (auffordernd zu den Kindern) Wisst ihr etwas? Wie? Hinterhergehen? Das ist ja eine tolle Idee. Das werde ich gleich machen. Mal sehen, wo die hingehen, …

Kasperle eilt den beiden hinterher und ist später noch einmal in einiger Entfernung hinter den beiden zu sehen, bevor der Vorhang fällt zum Bühnenbildwechsel.

2. Akt/2. Bühnenbild: Straße vor der und die Wohnung des Räubers

Räuber und Prinzessin kommen von der Straße.

RäuberSo, nun komm rein, Prinzesschen. (Der Räuber schubst die Prinzessin in seine Wohnung und zieht seinen Mantel aus.)

Prinzessin(ganz erschrocken) Ohjemine! Du bist ja der Räuber Bösefalle! Der Kasper hatte recht! Und, und wo (sie beginnt zu schluchzen), wo sind die Hundebabys?

RäuberWelche Hundebabys? (lacht tief) Hohoho! Meinst du vielleicht, ein Räuber wie ich hat Hundebabys? Für so einen Firlefanz habe ich keine Zeit. Ich hole mir noch etwas zu essen. Du brauchst ja nichts! Dir bringe ich nur ein Wasser mit. So. Und nun rein mit dir du freche Göre! Ab da in das Zimmer! Na los, geh schon und hör auf zu heulen, sonst setzt´s was!

Der Räuber stößt die Prinzessin in eine kleine Kammer, sperrt diese ab, setzt den Wolf davor und verschwindet „Ein Schneider fing ´ne maus“ singend.

KasperSoso. Der Räuber hat also die Prinzessin mitgenommen und in sein Haus gebracht! So ein Schuft! Was hör ich denn da? Die Prinzessin weint ja. Da hat der Räuber bestimmt auch keine Hundebabys! Der will der Prinzessin bestimmt nichts Gutes tun. Im Gegenteil! Ohje! Hoffentlich tut er ihr nicht weh! Was kann ich denn nur ganz schnell machen, um die Prinzessin zu retten? Kinder habt ihr einen Plan? Was? Zur Polizei gehen? Ja genau! Warum bin ich denn da nicht selbst drauf gekommen? Aber wo ist die Polizei? Am besten, ich rufe dort an! Die Nummer weiß ich ja. Die ist 110. Jetzt brauch ich nur noch ein Telefon. (er sieht sich um) Geh ich in den Laden da gleich nebenan oder zu einem Freund in der Nähe oder nach Hause? Ach, da vorne ist ja auch eine Telefonzelle! Das ist das schnellste und da sehe ich, wann der Räuber wieder kommt.

Kasper dreht sich um zur Telefonzelle und telefoniert. Kurz darauf kommt der Räuber und gleich hinter ihm der Polizist. Der Räuber geht in seine Wohnung, der Polizist und Kasperle bleiben davor stehen.

RäuberSo. Da bin ich wieder! Na, kleines Prinzesschen, hast du es schon mit der Angst bekommen? Hohoho. Ich hab mir eine leckere Pizza mitgebracht und du darfst mir beim Essen zuschauen. So, dann komm mal raus. (er lässt die Prinzessin heraus)

In diesem Moment klingeln/klopfen der Polizist und Kasper an der Haustür. Der Räuber schiebt die weinende Prinzessin wieder in die Kammer.

RäuberWer ist denn da?

KasperIch bin´s nur, ein Junge von nebenan. Sie haben etwas beim Einkaufen verloren, das wollte ich Ihnen bringen.

Räuber (schließt auf und spricht dabei) Achso. Na dann komm mal rein, mein …. Die Polizei! Herr Wachtmeister, was machen Sie denn hier?

Polizist(tritt ein) Sie haben die kleine Prinzessin entführt! Wo steckt sie? Zeigen Sie mir sofort ihr Versteck!

Räuber Ich, die Prinzessin entführt? Da müssen Sie sich täuschen!

Im Hintergrund ist die Prinzessin leise weinend zu hören.

PolizistUnd was ist das dann für ein Gewinzle?

RäuberDas? Och, das sind kleine niedliche Hundebabys...

PolizistNa dann zeigen Sie sie mir doch einmal!

Räuber Das geht nicht, weil die sehr empfindlich auf Störungen reagieren.

In der Zwischenzeit schleicht sich Kasperle an den beiden vorbei und in diesem Moment öffnet er die Tür zum Versteck der Prinzessin und holt sie heraus.

PolizistAch Hundebabys? Das sind aber komische Hundebabys, meinen Sie nicht auch?

RäuberAber, aber, …

PolizistSie sind festgenommen Herr Bösefalle! Sie kommen nun mit auf´s Revier und können selbst für lange Zeit sehen, wie es ist, eingesperrt zu sein! Auf geht´s!

Polizist geht mit Räuber ab. Die Prinzessin fällt dem Kasper überglücklich in die Arme:

PrinzessinDanke, Kasper, du hast mich gerettet! Wer weiß, was der böse Räuber mit mir gemacht hätte! Ich hätte gleich auf dich hören sollen und nicht mitgehen dürfen. Danke lieber Kasper, Du bist mein Held!

KasperleJa, Prinzessin, da hattest du noch einmal Glück! Aber du musst mir versprechen, dass du nie mehr mit einem Fremden mitgehst und wenn dich einer mitziehen will schreist du ganz laut Feuer! Dann schauen die Leute nämlich – wenn du Hilfe rufst, hilft dir nämlich keiner! Versprichst du mir das?

PrinzessinJa, Kasperle, das versprech ich dir! Und ihr liebe Kinder dürft auch nie mit Fremden mitgehen, denn
Ob Hundebabys, Gummibärchen oder Schokolade
Fremden Männern und Frauen ist nichts zu schade,
um dich zu locken in ihr Heim
drum sage besser immer: “Nein”!

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