Anfangs macht Ihr Baby täglich sichtbare Fortschritte. Mit der Zeit sind diese nicht immer so deutlich von außen zu erkennen. Wie die Entwicklung in den ersten Lebensjahren vor sich geht, möchte Ihnen der folgende Artikel näher bringen. Dabei wird jeweils auf verschiedene Bereiche eingegangen. In den Tabellen ist angegeben, was Ihr Kind im jeweiligen Alter schon können sollte. In einigen Punkten wird Ihr Baby wahrscheinlich weiter, in anderen etwas zurück sein. Anlass zur Sorge ist erst gegeben, wenn Ihr Kind sich in jedem Bereich erheblich langsamer entwickelt: dann sollten Sie Ihren Kinderarzt aufsuchen.
1. LEBENSMONAT
liegt asymmetrisch (schief) mit zur Seite gedrehtem Kopf; gebeugte Arme und Beine; hebt Kopf nur kurz hoch; reagiert auf laute Geräusche mit Moro-Reflex; Hände meist zur Faust geballt sieht klare Umrisse aus 22-25 cm Entfernung, fixiert Gegenstände und Gesichter kurz; kann noch keine wiederkehrenden Geräusche erkennen Hautkontakt ist wichtigstes Kommunikationsmittel, teilt sich durch Schreien mit
2. LEBENSMONAT
Kopf wird einige Sekunden hochgehalten; Beugung der Arme und Beine lässt nach; Hände öfter geöffnet, vergebliche Greifversuche, bei denen sich ganzer Köper mitbewegt folgt mit den Augen Gegenstand, der sich seitlich bewegt, fixiert länger; lauscht interessiert verschiedensten Geräuschen Hautkontakt bleibt wichtig, manchmal reflektorisches Lächeln, erstes „Sprechen“: Vokallaute wie a/ä, strampelt freudig, wenn Mutter mit ihm spricht
3. LEBENSMONAT
hält Kopf fast 1 Min. hoch, dreht ihn nach beiden Seiten, stützt sich auf Unterarme und Becken; Moro-Reflex lässt nach; Hände nur noch selten zur Faust geballt, bringt sie vor Gesicht zusammen, betrachtet Finger und spielt mit ihnen dreht Kopf zur Seite, wenn es Geräuschquelle sucht lacht menschliche Gesichter an, produziert Gurgellaute
4. LEBENSMONAT
stützt sich in Bauchlage auf die Unterarme, ergreift dabei Dinge, die in der Reichweite liegen; rollt von einer Seite auf die andere; übt bewusst das Greifen; verlagert Gewicht auf Beine, wenn es in stehender Position
gehalten wird; aktive Mithilfe beim Ziehen in die Sitzposition betastet alle Gegenstände und untersucht sie mit dem Mund; dreht Kopf, um bestimmte Dinge besser sehen zu können; schließt die Augen, wenn plötzlich ein Gegenstand vor ihm erscheint (Schutzfunktion) Wiederholung eigener Laute und Freude daran; lacht viel und jauchzend – aber auch Drei-Monats-Angst; erkennt Eltern und Geschwister; betastet Gesicht des Gegenübers
5. LEBENSMONAT
übt in Rückenlage spätere Sitzhaltung; greift bewusst nach Gegenständen, gibt sie von einer in die andere Hand, greift nicht mehr mit ganzer Hand sucht unverzüglich nach einer Geräuschquelle es lächelt nicht mehr alle spontan an
6. LEBENSMONAT
dreht sich von Bauch- in Rückenlage und umgekehrt, betastet seine Füße, ergreift diagonal über seinen Körper einen Gegenstand, bei kurzen Stehversuchen werden nie und Beine nicht mehr abgeknickt - dabei steht es oft auf Zehenspitzen und hüpft; sitzt problemlos mit Stütze steckt weiterhin prüfend alles in den Mund, schaut sich aber vorher und nachher die Dinge an; es erkennt seine Rassel am Klang; schaut zufällig herunterfallendem Spielzeug nach unterscheidet Bekannte von Fremden; bildet Silbenketten; beginnt, seine Beschäftigungen lautstark zu untermalen
7. LEBENSMONAT
versucht in der Bauchlage, Bauch und Po zu heben; führt Füße zum Mund und spielt mit ihnen; greift mit beiden Händen gut; kann gleichzeitig in jeder Hand ein kleines Spielzeug halten; kann mit nach vorne gestreckten Händen als Stütze sitzen; erstes Kriechen erkennt Höhe und Tiefe: beugt sich vor, um heruntergefallenem Spielzeug nachzusehen beginnt, nachzuahmen; schaut Fremde skeptisch an; spielt weiterhin lautstark
8. LEBENSMONAT
krabbelt; sitzt ohne Stütze und kommt ohne Hilfe in diese Position; ergreift Gegenstände mit Daumen und Zeigefinger; steht problemlos, wenn es gestützt wird sucht verstecktes Spielzeug; lauscht Gesprächen oder Musik für kurze Zeit lehnt manche Personen ohne erkennbaren Grund ab, mit anderen findet es hingegen sofort Kontakt; spricht einfache Silben deutlich und wiederholt sie
9. LEBENSMONAT
zieht sich bis in den Stand und bleibt sich festhaltend stehen; kann mit einer Hand
greifen; lässt Spielzeug bewusst fallen; sitzt gerade tastet in Gefäße reagiert auf den eigenen Namen; differenziert verschiedene Emotionen durch die Tonlage der Stimme und kann selbst Freude oder nicht mit der Stimme ausdrücken; mag Kuckuck-Spiele; brabbelt mehrere aufeinander folgende Konsonanten
10. LEBENSMONAT
an Möbeln entlang macht es Seitenschritte; kann nach einiger Übung einen Löffel zum Mund führen; schlägt Dinge aneinander; kann Zeigefinger und Daumen strecken Interesse für Details - untersucht diese mit dem Zeigefinger; macht begeistert Lärm und Geräusche kennt einige Begriffe; ahmt Tätigkeiten nach; bei Lob wiederholt es die Tätigkeit; beginnt beim Auf-Wiedersehen zu winken
11. LEBENSMONAT
beherrscht den Zangengriff zieht ein an einer Schnur befestigtes Spielzeug zu sich identifiziert Personen oder Dinge und beginnt sie zu benennen
12. LEBENSMONAT
es hebt mit beiden Händen größere Gegenstände auf findet einen Gegenstand wieder, der vor seinen Augen wurde den Eltern Spielzeug übergeben - Bitte-Danke-Spiele
13. LEBENSMONAT
Feinmotorik und Handgeschicklichkeit: greift mit einer hand zwei Klötzchen / schlägt zwei Dinge aneinander / hält einen Stift mit beiden Händen und malt Gekritzel
15. LEBENSMONAT
Grob-/Bewegungsmotorik: kann sich alleine hinsetzen und -stellen / kann knien / kann einige Schritte alleine gehen / Schritte sind noch nicht sicher / ihre Länge und Richtung sind ungleich / fängt an zu laufen und fällt hin, indem es zusammensackt / kann Treppen hinaufkrabbeln bzw. -gehen
Feinmotorik und Handgeschicklichkeit: räumt dinge ein und aus / zeigt mit dem Zeigefinger / packt Eingewickeltes aus / schließt rundes Döschen / baut Turm aus 2-3 Klötzchen / hat Fähigkeit, mit dem Daumen jede einzelne Fingerspitze zu berühren
Geistige Entwicklung: kennt Teile seines Körpers / ahmt Tierlaute nach / erkennt einfache Abbildungen aus seinem täglichen Leben im Bilderbuch / es holt und bringt Dinge, wenn es aufgefordert wird / kann gleiche Dinge zuordnen
Selbständigkeit: das Kind kann Tassen heben, halten und daraus trinken, ohne viel zu verschütten / isst selbst mit dem Löffel / versucht sich selbst auszuziehen ( Schuhe, Strümpfe)15. - 18. LEBENSMONATSprache: beginnt, eigene unverständliche laute aneinanderzureihen mit rhythmischer Betonung und Tonfallschwankungen, di mit Gesten untermalt werden / wiederholt kurze Sätze (in unpassenden Zusammenhängen) / spricht etwa 10 Wörter mit Bedeutung / zeigt auf Dinge in der Umgebung oder in Büchern
Sozialverhalten: es wird hilfsbereiter bei Hausarbeiten / zeigt Zuneigungen gegener Familienmitgliedern und Freunden / spielt gerne - aber noch nicht mit anderen Kindern18. LEBENSMONATGrob-/Bewegungsmotorik: läuft alleine und fällt selten hin / läuft schnell, aber wackelig / läuft steif und ohne viel Kniebewegung / steigt Treppen, wenn es an einer hand geführt wird / geht rückwärts
Feinmotorik und Handgeschicklichkeit: erst wenn das Kind allein stehen und gehen kann, können die Hände unabhängig voneinander eingesetzt werden / blättert Seite im Buch um, meist2-3 gleichzeitig / baut Turm aus 3-4 Klötzen / trägt Puppe oder Stofftier / hält den Stift in der Faust / malt deutlich vertikale Striche, alles andere ohne bestimmte Richtung / fädelt große Perlen auf
Geistige Entwicklung: erkennt Abbildungen im Buch, wenn man sie benennt / versucht bei der Hausarbeit zu helfen / erfüllt Bitten, die Nachdenken und Erinnern erfordern / ordnet 2 Größen, Farben und Formen zu / unterscheidet eckig und rund
Selbständigkeit: isst selbständig, aber nicht ohne zu kleckern
18. - 24. LEBENSMONAT
Sprache: Wortschatz von ca. 30 Wörtern / stellt einfache Fragen mit "Wohin?" / gibt einfache Antworten "Bad" / verwendet besitzanzeigende Wörter wie "mein" / es bedient sich der Sprache um etwas zu bekommen oder erzählen oder Kontakt
Sozialverhalten: fordert Aufmerksamkeit (packt einen am Arm; tut, was nicht darf und unterlässt, was es soll) / streitet mit anderen Kindern weniger, da es Spielkameraden haben möchte
21. LEBENSMONAT
Grob-/Bewegungsmotorik: läuft / geht beim Spielen in die Hocke / steigt Treppen hinunter, wenn man es an einer Hand anfasst / kann mit einem großen Ball Fußball spielen / kann um eine Ecke biegen / kann rasch anhalten beim Gehen
Feinmotorik und Handgeschicklichkeit: baut Türme aus 5-6 Klötzchen / malt gerne mit den Fingern
Geistige Entwicklung: kann um etwas bitten, z.B. Trinken, Teddy usw. / macht Fortschritte im farben- und Formenerkennen
Selbständigkeit: kann gut mit einer Tasse umgehen
24. LEBENSMONAT
Grob-/Bewegungsmotorik: kann abwechselnd laufen und gehen / Fuß- und Kniegelenke sind beweglicher / steigt Treppen alleine hinauf und hinunter, dabei werden beide Beine auf eine Stufe gestellt / geht beim Spielen oft in die Hocke und fällt dabei nicht um / entwickelt Sinn für Rhythmus und hat Spaß an Tanzbewegungen
Feinmotorik und Handgeschicklichkeit: kann mechanisches Spielzeug bedienen/ kann einzelne Buchseiten umblättern / schraubt Deckel von Dosen / malt horizontale Striche / formt eine Wurst aus Knete / schneidet kurz mit der Schere, indem es sie mit beiden Händen hält / beginnt bei bestimmen Bewegungen das Handgelenk einzusetzen
Geistige Entwicklung: erkennt Eigenschaften vertrauter Gegenstände und kann sie beschreiben / kann komplexe Anweisungen ausführen / kann Farben und Bilder zuordnen / hat einen Mengenbegriff von ein und viel / die räumliche Orientierung ist ausgeprägt, es kennt seine Umgebung
Selbständigkeit: fängt an, den Löffel im Mund zu drehen / zieht die Strümpfe an / zieht die Hose hoch / öffnet die Tür mit der Klinke / zieht Reißverschlüsse auf und zu / fängt an zu merken, wenn es groß muss
24. - 30. LEBENSMONAT
Sozialverhalten: ihm fällt es schwer, anderen etwas abzugeben / zeigt Konkurrenzverhalten und versucht, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen / Beginn des Trotzes / Beginn einfacher Rollenspiele (egal ob mit Personen, Puppen oder Legosteinen)
24. - 36. LEBENSMONAT
Sprache: kennt 200 - 300 Wörter / es beginnt zuzuhören, wenn man mit ihm spricht und interessiert sich mehr und mehr für Dinge / Sprache wird flüssiger (neben kleineren "Sprachfehlern") / entwickelt Sprachrituale (will gleiche Geschichte immer wieder hören) / beginnt mit Wörtern wie "ich", "du" und "mir" umzugehen / verwendet Zeitwörter wie "heute" oder "morgen" jedoch ohne richtige Zuordnung
30. LEBENSMONAT
Grob-/Bewegungsmotorik: versucht, auf Zehenspitzen zu gehen / hüpft mit beiden Füßen zur gleichen Zeit / versuch af einem Bein zu stehen
Feinmotorik und Handgeschicklichkeit: bat Turm aus 8 Klötzchen / hält den Stift nun mehr mit den Fingern als mit der Faust / ahmt Falten von Papier nach
Geistige Entwicklung: kann seinen Namen nennen / zählt bis drei / Details wie Euter einer Kuh werden wahrgenommen / kennt die Grundfarben rot, gelb, blau / beginnt Vorder- und Rückseite der Dinge zu unterscheiden / beginnt Formen einander zuzuordnen
Selbständigkeit: kann einen großen Knopf durchs Knopfloch ziehen / kann Jacke und Hose alleine ausziehen
30. - 36. LEBENSMONAT
Sozialverhalten: ist unabhängiger / geht auf andere Kinder zu und schließt Freundschaften / zeigt Mitgefühl, wenn jemand leidet
36. LEBENSMONAT
Grob-/Bewegungsmotorik: läuft gut / schwingt beim Gehen die Arme wie ein Erwachsener mit / geht treppaufwärts mit abwechselnd dem einem und dem anderen Fuß / geht treppabwärts mit beiden Füßen auf einer Stufe / kann von der letzten Stufe herunterspringen / geht auf Zehenspitzen / "kickt" geschickt einen Ball, kann aber nur kurz auf einem Bein stehen
Feinmotorik und Handgeschicklichkeit: baut Türme aus 9-10 Klötzchen / malt vertikale und horizontale Striche und einen Kreis / hält die Schere in der Hand
Geistige Entwicklung: kann Fragen stellen mit Fragewörtern (was, wer, wieso, ...) / es kennt sein Geschlecht / hat Erinnerungsvermögen und bezieht sich auf Vergangenes / kann Puzzle aus 2-4 Teilen zusammenfügen / sortiert Kategorien wie Auto, Tier, usw.
Selbständigkeit: zieht sich Schuhe alleine an, aber nicht immer an den richtigen Fuß / die meisten Kinder sind nun (wenigstens tagsüber) trocken
3 - 6 JAHRE
Feinmotorik und Handgeschicklichkeit: mit etwa 4 Jahren kann ein Kind einigermaßen genau etwas ausschneiden
B u c h t i p p s
Unser Kind im 1. und 2. Lebensjahr / Unser Kind im 3. und 4. Lebensjahr jeweils von Ulrich Dieckmeyer
Remo H. Largo (2000): Babyjahre. Die frühkindliche Entwicklung aus biologischer Sicht. Das andere Erziehungsbuch. Piper Verlag
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