Schau mal die winzigen Finger! Oder das süße Näschen! Und erst die klitzekleinen Füßchen! So oder ähnlich schwärmen viele junge Eltern beim Anblick ihres Neugeborenen. Doch damit kommen auch Zweifel auf: Werde ich diesem kleinen Wurm auch nicht weh tun, wenn ich ihn auf den Arm nehme? Oder wickle? Viele offene Fragen stellen sich junge Eltern in der Zeit vor und kurz nach der Geburt.
Kommt der Säugling auf die Welt, ist die größte Sorge der Eltern die Gesundheit des Kindes. Im Geburtskrankenhaus werden sofort nach der Geburt und in den ersten Lebenstagen vom Klinikpersonal Untersuchungen und Tests durchgeführt, um sie in dieser Hinsicht beruhigen zu können. Doch auch trotz der großen Bemühungen der Ärzte und Schwestern bleiben viele Fragen offen, die wir durch diesen Artikel versuchen wollen zu beantworten:
• Bezugsperson - Stress - Körperlicher Kontakt - Wahrnehmung - Kommunikation
• Reflexe - Schreien - Kann man Babys verwöhnen?
• Verschiedene Schlafmuster - Wache Babys - Individuelles Schlafbedürfnis
• Geräusche Ihres Babys - Schnarchen Ihres Babys - Schniefen/Schnupfen - Niesen - Schluckauf
• Käseschmiere - Fleckige Haut - Schädelschwellungen nach der Geburt - Fontanellen - Haare
Nach der Geburt wird es einige Zeit dauern, bis Sie sich an das Verhalten Ihres Babys gewöhnt haben. Es lohnt sich, seine Reaktion auf verschiedene Reize zu beobachten und sich mit einigen Merkmalen seiner Persönlichkeit vertraut zu machen. Kleine Babys besitzen viel mehr Individualität, als man gemeinhin denkt. Die Tatsache sollte man im Kopf behalten, wenn man sein Kind kennen lernen will.
Man sollte wissen, dass alle gesunden Babys über eine Anzahl von Reflexen verfügen, die von Geburt an ausgelöst werden. Diese Reflexe sind unbewusste Bewegungen, die allmählich, ungefähr ab dem vierten Monat, von willentlichen Bewegungen abgelöst werden.
Sie stellen vielleicht fest, dass Ihr Neugeborenes in positiver Weise auf Ihre Anwesenheit reagiert, indem es ruckartig Gesicht und Körper bewegt. In dem Maße wie es lernt, seine Bewegungen zu kontrollieren, werden seine Reaktionen zielgerichteter und weniger zufällig. So schenkt es Ihnen mit etwa sechs Wochen statt einer Grimasse schon ein unverkennbares Lächeln.
Babys schreien – das weiß jeder. Die wahrscheinlichsten Gründe für Schreien sind Müdigkeit, Hunger, Einsamkeit und Unwohlbefinden – es ist ihm zu heiß oder zu kalt, es liegt unbequem oder braucht eine frische Windel. Manchmal schreit das Baby auch ohne erkennbaren Grund.
Dazu eine WICHTIGE INFORMATION: Es ist keine gute Idee, das Baby einfach alleine weiterschreien zu lassen – auch wenn man diesen Rat oft bekommt. Zu wenig Aufmerksamkeit und Zuwendung in den ersten Wochen und Monaten kann zu einer introvertierten, schüchternen und zurückgezogenen Entwicklung des Kindes führen. Oft setzen Leute „lieben“ mit „verwöhnen“ gleich. Unserer Meinung nach kann ein Baby in der ersten Zeit nicht genug „verwöhnt“ werden. Leute denken immer wieder, dass Kinder, die auf den Arm genommen, liebkost, gestillt und rundum bemuttert werden, erleben, wie man Aufmerksamkeit erheischt. Das stimmt so nicht! Es lernt vielmehr, wie man liebt und menschliche Beziehungen aufbaut. Und dies ist eine der wichtigsten Lektionen, die ein Kind für seine zukünftige emotionale und psychische Entwicklung lernen kann. Was wir „verwöhnen“ nennen, ist in Wirklichkeit eine normale Reaktion der Mutter auf das unglückliche Kind; sie befriedigt dadurch ein natürliches Bedürfnis des Babys.
Babys Schlafmuster – ein Phänomen, das am Nervenkostüm zerrt. Falls Sie nicht sehr viel Glück haben, werden Sie nach der Heimkehr vom Krankenhaus einige schlaflose Nächte erleben. Es treten die unterschiedlichsten Schlafmuster bei Neugeborenen auf. Einige sind nur wach, wenn sie Hunger haben, andere sind auch vor bzw. nach dem Essen aktiv.
Es kann sein, dass Ihr Neugeborenes bis zum Alter von vier Monaten niemals länger als eine oder zwei Stunden am Stück döst. Lassen sie sich dabei durch die Tatsache trösten, dass es in jeder wachen Minute etwas Neues lernt – sofern es sich nicht langweilen muss. Auf langer Sicht werden Sie mit einem wissbegierigem Kind belohnt.
Denken Sie außerdem daran, dass ein Versuch ein striktes Schlafmuster festzulegen, das dem „Durchschnittsbaby“ entspricht, keinen Sinn macht. Es gibt kein „Durchschnittsbaby“. Das Schlafbedürfnis beruht auf der individuellen Physiologie. Die meisten Neugeborenen schlafen kurz nach einer Mahlzeiten ein. Anfangs hängen die Wachphasen noch davon ab, wie viele Mahlzeiten es braucht und dies wiederum ist abhängig von seinem Gewicht:
• 2 kg schweres Baby: wacht 7- bis 8 mal auf, um gefüttert zu werden
• 3 kg schweres Baby: wacht 5- bis 6 mal auf, um gefüttert zu werden
• 4,5 kg schweres Baby: wacht 4-bis 5 mal auf, um gefüttert zu werden
Wenn Ihr Baby seltsame Geräusche von sich gibt, machen Sie sich keine Sorgen. Die meisten Geräusche werden durch die Unreife der Atemwege bedingt und legen sich mit der Zeit.
Wenn Sie das Gefühl haben Ihr Baby schnarcht in seinem Bettchen, müssen wir sie leider enttäuschen. Dieser gewisse Klang, den Ihr Baby von sich gibt, wird durch eine Vibration des weichen Gaumens beim Atmen verursacht.
Oft denken Eltern ihr Baby sei erkältet, da es „schnieft“. Dieses Schniefen zeigt jedoch keine verstopfte Nase, sondern wird durch einen flachen Nasenrücken der Babys verursacht. Beim Atmen muss also die Luft sehr kurze, enge Nasenkanäle passieren, was dieses Geräusch ausmacht. Mit zunehmendem Alter wird der Nasenrücken höher und das Schnauben lässt nach.
Sie dürfen sich auch nicht verwirren lassen, wenn Ihr Baby oft niesen muss. Dies ist keine angehende Erkältung, sondern ein nützlicher Reflex. Er tritt auf, wenn das Kleine die Augen öffnet und hellem Licht ausgesetzt ist. Es unterstützt die Reinigung der Nasenwege.
Neugeborene haben oft Schluckauf, vor allem nach einer Mahlzeit. Trotz der Befürchtung vieler Mütter ist das nur selten ein Symptom von Verdauungsproblemen. Ursache ist vielmehr die unzureichende Kontrolle über das Zwerchfell – ein flächiger Muskel, der den Brustkorb vom Bauch trennt. Der Schluckauf wird seltener, sobald die Nerven, die das Zwerchfell kontrollieren, entwickelt sind.
Auch wenn Ihr Baby zweifellos ein Wonneproppen ist, erschrecken sie vielleicht beim ersten Anblick des Kleinen. Sei es eine weiße fettige Substanz, die die Haut Ihres Winzlings bedeckt, eine fleckige Hautfarbe oder ein unförmiger Kopf. Alles ganz natürlich!
Die Käseschmieren, mit der die Haut bedeckt sein kann, bildet eine natürliche Schutzschicht, damit die Haut im Fruchtwasser nicht aufweicht. Lassen Sie sie auch von dem Krankenhauspersonal nicht wegwaschen, denn sie beugt gegen Hautreizungen vor.
Die fleckige Hautfarbe resultiert aus geplatzten Blutgefäßen. Sobald Melanin, ein natürliches Pigment, produziert wird, erlangt das Baby seine endgültige Hautfarbe. Dies ist in der Regel nach ca. sechs Monaten.
Der Schädel des Babys besteht aus vier großen Platten, die nicht zusammengewachsen sind und sich gegeneinander bewegen können. Diese Beweglichkeit ist vor allem bei der Geburt von Bedeutung, wenn der Kopf von den Scheidenwänden zusammengepresst wird. Die sich verschiebenden Schädelknochen ermöglichen den unbeschadeten Durchtritt durch den Geburtskanal. Die sich dadurch ergebende Verformung des Kopfes ist ganz normal und hat keine Auswirkung auf das Gehirn. Es können auch einige Blutergüsse oder Schwellungen entstehen, doch sie heilen in den ersten Tagen bzw. Wochen ab.
Diese weichen Stellen oben am Schädel, wo die Knochen nicht verbunden sind, nennt man „Fontanellen“. Die Schädelknochen werden erst mit ca. zwei Jahren fest verwachsen sein. Achten Sie insbesondere bei einem jungen Baby darauf, die Fontanellen nicht einzudrücken!
Manche Babys werden mit vollem Haar geboren, während andere völlig kahl sind. Die Haarfarbe kann sich nach der Geburt noch ändern. Der feine Haarflaum, den manche Babys am Körper haben, wird „Lanugo“ genannt. Er fällt bald nach der Geburt ab.
B u c h t i p p
Dagmar von Cramm/Prof. Dr. Eberhardt Schmidt: Unser Baby, Das erste Jahr – ein weiterer großer GU-Ratgeber
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