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Das Neugeborene

Schau mal die winzigen Finger! Oder das süße Näschen! Und erst die klitzekleinen Füßchen! So oder ähnlich schwärmen viele junge Eltern beim Anblick ihres Neugeborenen. Doch damit kommen auch Zweifel auf: Werde ich diesem kleinen Wurm auch nicht weh tun, wenn ich ihn auf den Arm nehme? Oder wickle? Viele offene Fragen stellen sich junge Eltern in der Zeit vor und kurz nach der Geburt.
Kommt der Säugling auf die Welt, ist die größte Sorge der Eltern die Gesundheit des Kindes. Im Geburtskrankenhaus werden sofort nach der Geburt und in den ersten Lebenstagen vom Klinikpersonal Untersuchungen und Tests durchgeführt, um sie in dieser Hinsicht beruhigen zu können. Doch auch trotz der großen Bemühungen der Ärzte und Schwestern bleiben viele Fragen offen, die wir durch diesen Artikel versuchen wollen zu beantworten:
• Bezugsperson - Stress - Körperlicher Kontakt - Wahrnehmung - Kommunikation
• Reflexe - Schreien - Kann man Babys verwöhnen?
• Verschiedene Schlafmuster - Wache Babys - Individuelles Schlafbedürfnis
• Geräusche Ihres Babys - Schnarchen Ihres Babys - Schniefen/Schnupfen - Niesen - Schluckauf
• Käseschmiere - Fleckige Haut - Schädelschwellungen nach der Geburt - Fontanellen - Haare

Eltern-Kind-Beziehung

Die Bedeutung der Eltern-Kind-Beziehung wurde erst im letzten 20. Jahrhundert erkannt. Die Forschung wies nach, dass bei einem Aufwachsen ohne Liebe und Zuneigung fester Bezugspersonen im heranwachsenden Alter zu seelischen Störungen und Schwierigkeiten im Verhalten auftreten. Dies ist auch jedem von uns bekannt. Doch inwieweit man eine perfekte Umwelt mit viel Liebe und emotionaler Zuneigung für das Kleine schaffen kann, bleibt für viele eine offene Frage.
Sicher sind Sie entzückt von dem kleinen Wesen, das gerade in Ihr Leben gestolpert ist. Doch lieben Sie es? Diese Frage beschäftigt viele frischgebackenen Eltern. Sicher wird man in den ersten Tagen noch nicht davon reden können, dass Sie Ihr Kind lieben. Vielleicht ist das Gefühl besser mit einem „verliebt sein“ zu beschreiben: Ihr Kind ist total süß. Mit der Zeit reift diese Emotion zu richtiger Liebe heran. Bei einigen Eltern geht dieser Prozess schneller vonstatten, bei anderen, z.B. nach einem nicht geplanten Kaiserschnitt, dauert er eventuell etwas länger. Aber dies hat nichts mit der Tiefe Ihrer Liebe und schon gar nicht mit der Ihrer Qualität als Eltern zu tun.
Wichtig gerade für die ganz Kleinen ist eine ruhige liebevolle Betreuung mit ausreichendem Zeitaufwand durch eine ständig bleibende Bezugsperson. Denn wie Laufen und Sprechen, muss Ihr Kind auch lieben lernen. Nur, wenn es sich geliebt fühlt, lernt es auch diese Liebe zu erwidern.
Gerade in Stresssituationen vergisst man leicht, wie viel Zuneigung ein Baby für seine emotionale Entwicklung braucht. Für ein Lächeln, einen Kuss oder für das Streicheln über die kleinen Wangen muss für die Mutter oder den Vater immer Zeit sein. Achten sie darauf, dass der Winzling gerade in den ersten vier Monaten kein stressiges Elternhaus registriert.
Viele Eltern, die ihr erstes Kind bekommen, meinen, ihr Neugeborenes würde die Umgebung gar nicht wahrnehmen können. Diese falsche Ansicht führt dazu sich nicht richtig mit dem Kind zu beschäftigen, sondern es nur im Arm halten. Der körperliche Kontakt spielt für das Neugeborene zwar den wichtigsten Einflussfaktor für sein Wohlbefinden. Gerade während den Wachphasen ist es wichtig, für Ihr Kind da zu sein, ihm immer wieder Nähe und Zärtlichkeit zu schenken, es zu tragen und zu bemuttern.
Doch Babys entwickeln von Geburt an sehr schnell ein Spektrum sensueller Erfahrungen. Im Wachzustand sind sie munter und hörbereit. Sie reagieren, wenn sie angesprochen werden und erkennen die Eltern am Geruch. Mit ihrem aufmerksamen Blick wenden sie sich dorthin, wo sie Geräusche hören. Babys werden mit dem Wunsch nach Kommunikation geboren. Im Abstand von 20-25 cm vor ihrem Gesicht können sie die Eltern klar sehen und erleben ihre „erste Unterhaltung“, wenn man in diesem Abstand mit ihnen lebhaft redet. Babys führen diese Unterhaltung indem sie lächeln, ihrem Mund bewegen, nicken oder auch die Zunge rausstrecken. Das Gefühl der Aufmerksamkeit und Zuneigung wirkt sich von Anfang an auf eine intensive Bindung zu den Eltern aus und fördert zugleich den Spaß an der Kommunikation.

Verhalten der Neugeborenen

Nach der Geburt wird es einige Zeit dauern, bis Sie sich an das Verhalten Ihres Babys gewöhnt haben. Es lohnt sich, seine Reaktion auf verschiedene Reize zu beobachten und sich mit einigen Merkmalen seiner Persönlichkeit vertraut zu machen. Kleine Babys besitzen viel mehr Individualität, als man gemeinhin denkt. Die Tatsache sollte man im Kopf behalten, wenn man sein Kind kennen lernen will.
Man sollte wissen, dass alle gesunden Babys über eine Anzahl von Reflexen verfügen, die von Geburt an ausgelöst werden. Diese Reflexe sind unbewusste Bewegungen, die allmählich, ungefähr ab dem vierten Monat, von willentlichen Bewegungen abgelöst werden.
Sie stellen vielleicht fest, dass Ihr Neugeborenes in positiver Weise auf Ihre Anwesenheit reagiert, indem es ruckartig Gesicht und Körper bewegt. In dem Maße wie es lernt, seine Bewegungen zu kontrollieren, werden seine Reaktionen zielgerichteter und weniger zufällig. So schenkt es Ihnen mit etwa sechs Wochen statt einer Grimasse schon ein unverkennbares Lächeln.
Babys schreien – das weiß jeder. Die wahrscheinlichsten Gründe für Schreien sind Müdigkeit, Hunger, Einsamkeit und Unwohlbefinden – es ist ihm zu heiß oder zu kalt, es liegt unbequem oder braucht eine frische Windel. Manchmal schreit das Baby auch ohne erkennbaren Grund.
Dazu eine WICHTIGE INFORMATION: Es ist keine gute Idee, das Baby einfach alleine weiterschreien zu lassen – auch wenn man diesen Rat oft bekommt. Zu wenig Aufmerksamkeit und Zuwendung in den ersten Wochen und Monaten kann zu einer introvertierten, schüchternen und zurückgezogenen Entwicklung des Kindes führen. Oft setzen Leute „lieben“ mit „verwöhnen“ gleich. Unserer Meinung nach kann ein Baby in der ersten Zeit nicht genug „verwöhnt“ werden. Leute denken immer wieder, dass Kinder, die auf den Arm genommen, liebkost, gestillt und rundum bemuttert werden, erleben, wie man Aufmerksamkeit erheischt. Das stimmt so nicht! Es lernt vielmehr, wie man liebt und menschliche Beziehungen aufbaut. Und dies ist eine der wichtigsten Lektionen, die ein Kind für seine zukünftige emotionale und psychische Entwicklung lernen kann. Was wir „verwöhnen“ nennen, ist in Wirklichkeit eine normale Reaktion der Mutter auf das unglückliche Kind; sie befriedigt dadurch ein natürliches Bedürfnis des Babys.
Babys Schlafmuster – ein Phänomen, das am Nervenkostüm zerrt. Falls Sie nicht sehr viel Glück haben, werden Sie nach der Heimkehr vom Krankenhaus einige schlaflose Nächte erleben. Es treten die unterschiedlichsten Schlafmuster bei Neugeborenen auf. Einige sind nur wach, wenn sie Hunger haben, andere sind auch vor bzw. nach dem Essen aktiv.
Es kann sein, dass Ihr Neugeborenes bis zum Alter von vier Monaten niemals länger als eine oder zwei Stunden am Stück döst. Lassen sie sich dabei durch die Tatsache trösten, dass es in jeder wachen Minute etwas Neues lernt – sofern es sich nicht langweilen muss. Auf langer Sicht werden Sie mit einem wissbegierigem Kind belohnt.
Denken Sie außerdem daran, dass ein Versuch ein striktes Schlafmuster festzulegen, das dem „Durchschnittsbaby“ entspricht, keinen Sinn macht. Es gibt kein „Durchschnittsbaby“. Das Schlafbedürfnis beruht auf der individuellen Physiologie. Die meisten Neugeborenen schlafen kurz nach einer Mahlzeiten ein. Anfangs hängen die Wachphasen noch davon ab, wie viele Mahlzeiten es braucht und dies wiederum ist abhängig von seinem Gewicht:
• 2 kg schweres Baby: wacht 7- bis 8 mal auf, um gefüttert zu werden
• 3 kg schweres Baby: wacht 5- bis 6 mal auf, um gefüttert zu werden
• 4,5 kg schweres Baby: wacht 4-bis 5 mal auf, um gefüttert zu werden
Wenn Ihr Baby seltsame Geräusche von sich gibt, machen Sie sich keine Sorgen. Die meisten Geräusche werden durch die Unreife der Atemwege bedingt und legen sich mit der Zeit.
Wenn Sie das Gefühl haben Ihr Baby schnarcht in seinem Bettchen, müssen wir sie leider enttäuschen. Dieser gewisse Klang, den Ihr Baby von sich gibt, wird durch eine Vibration des weichen Gaumens beim Atmen verursacht.
Oft denken Eltern ihr Baby sei erkältet, da es „schnieft“. Dieses Schniefen zeigt jedoch keine verstopfte Nase, sondern wird durch einen flachen Nasenrücken der Babys verursacht. Beim Atmen muss also die Luft sehr kurze, enge Nasenkanäle passieren, was dieses Geräusch ausmacht. Mit zunehmendem Alter wird der Nasenrücken höher und das Schnauben lässt nach.
Sie dürfen sich auch nicht verwirren lassen, wenn Ihr Baby oft niesen muss. Dies ist keine angehende Erkältung, sondern ein nützlicher Reflex. Er tritt auf, wenn das Kleine die Augen öffnet und hellem Licht ausgesetzt ist. Es unterstützt die Reinigung der Nasenwege.
Neugeborene haben oft Schluckauf, vor allem nach einer Mahlzeit. Trotz der Befürchtung vieler Mütter ist das nur selten ein Symptom von Verdauungsproblemen. Ursache ist vielmehr die unzureichende Kontrolle über das Zwerchfell – ein flächiger Muskel, der den Brustkorb vom Bauch trennt. Der Schluckauf wird seltener, sobald die Nerven, die das Zwerchfell kontrollieren, entwickelt sind.

Aussehen des Babys

Auch wenn Ihr Baby zweifellos ein Wonneproppen ist, erschrecken sie vielleicht beim ersten Anblick des Kleinen. Sei es eine weiße fettige Substanz, die die Haut Ihres Winzlings bedeckt, eine fleckige Hautfarbe oder ein unförmiger Kopf. Alles ganz natürlich!
Die Käseschmieren, mit der die Haut bedeckt sein kann, bildet eine natürliche Schutzschicht, damit die Haut im Fruchtwasser nicht aufweicht. Lassen Sie sie auch von dem Krankenhauspersonal nicht wegwaschen, denn sie beugt gegen Hautreizungen vor.
Die fleckige Hautfarbe resultiert aus geplatzten Blutgefäßen. Sobald Melanin, ein natürliches Pigment, produziert wird, erlangt das Baby seine endgültige Hautfarbe. Dies ist in der Regel nach ca. sechs Monaten.
Der Schädel des Babys besteht aus vier großen Platten, die nicht zusammengewachsen sind und sich gegeneinander bewegen können. Diese Beweglichkeit ist vor allem bei der Geburt von Bedeutung, wenn der Kopf von den Scheidenwänden zusammengepresst wird. Die sich verschiebenden Schädelknochen ermöglichen den unbeschadeten Durchtritt durch den Geburtskanal. Die sich dadurch ergebende Verformung des Kopfes ist ganz normal und hat keine Auswirkung auf das Gehirn. Es können auch einige Blutergüsse oder Schwellungen entstehen, doch sie heilen in den ersten Tagen bzw. Wochen ab.
Diese weichen Stellen oben am Schädel, wo die Knochen nicht verbunden sind, nennt man „Fontanellen“. Die Schädelknochen werden erst mit ca. zwei Jahren fest verwachsen sein. Achten Sie insbesondere bei einem jungen Baby darauf, die Fontanellen nicht einzudrücken!
Manche Babys werden mit vollem Haar geboren, während andere völlig kahl sind. Die Haarfarbe kann sich nach der Geburt noch ändern. Der feine Haarflaum, den manche Babys am Körper haben, wird „Lanugo“ genannt. Er fällt bald nach der Geburt ab.

B u c h t i p p
Dagmar von Cramm/Prof. Dr. Eberhardt Schmidt: Unser Baby, Das erste Jahr – ein weiterer großer GU-Ratgeber

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